10 Regeln fürs Schreiben

Handwerk Schreiben: Recherche, die Figuren, Plotkonstruktion, Erzählperspektive usw. / Kreativität

Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon Fatima Vidal » Mi 10. Mär 2010, 09:47

1 Never open a book with weather. If it's only to create atmosphere, and not a charac­ter's reaction to the weather, you don't want to go on too long. The reader is apt to leaf ahead look­ing for people. There are exceptions. If you happen to be Barry Lopez, who has more ways than an Eskimo to describe ice and snow in his book Arctic Dreams, you can do all the weather reporting you want. =
1. Niemals ein Buch mit dem Wetter eröffnen. Das Wetter dient lediglich zur Atmosphäre und sollte generell nicht zu lange Aufmerksamkeit erhalten, da der Leser nach Charateren sucht. Es gibt dabei nur Ausnahmen, wenn man die Fertigkeit besitzt Wetter (Leonards Beispiel ist Schnee) in mehr Varianten zu beschreiben als beispielsweise Eskimos.


Eigentlich könnte diese Regel heissen: Eröffne dein Buch immer mit dem Hauptprotagonisten. "Eröffne das Buch nicht mit dem Wetter, mit einer Spiegel-Szene, mit Nahrungsmittelbeschreibung"... lässt sich beliebig ergänzen.
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon kaengu » Mi 10. Mär 2010, 13:25

@ Novita:
Also, meine Regeln:

1) sich nicht von zu vielen Regeln blockieren lassen und auf sein Bauchgefühl hören

2) nichts erzwingen wollen. Also, keine Geschichte aus den Fingern saugen, sondern lieber etwas länger warten und seine "Fühler" ausstrecken. Die Idee kommt von selber und huscht wie ein Hauch vorbei. Wenn es so weit ist, sie im richtigen Moment festhalten und irgendwo (im Kopf) abspeichern.

3) Die Idee nach und nach ausreifen lassen (muss nicht fertig bis zum Ende durchdacht sein), bevor man sich an den PC setzt. Dabei die Vorfreude auf das Niederschreiben geniessen.

4) Eine Tasse Tee machen

5) Wenn niemand stört (Mann, Kinder oder wer auch immer) sich hinsetzten und die Finger über die Tasten fliegen lassen. Dabei aber nicht zu gross nachdenken, und die Geschichte sich selber schreiben lassen (man ist nur Medium). Dabei ist auch erlaubt, dass man erst mal nur eine grobe Untergliederung notiert und die Notizen später mit Handlung füllt.

6) Beim Stocken nicht verzweifeln und etwas erzwingen wollen, sondern den Bildschirm des Laptop herunterklappen und etwas anderes machen (alles ist erlaubt von Hausarbeit bis zum Spazierengehen)

7) Wenn die Fortsetzung bereit ist, geschrieben zu werden, weiter schreiben und dann über das Ende der Geschichte überrascht sein.

8) Allgemein beim Schreiben nicht zu ausschweifend werden, sondern die Sache auf den Punkt bringen. Ich selber neige dazu zu sehr ins Detail zu gehen, was vielleicht für mich wichtig ist aber nicht für die Geschichte und den Leser.

9) sich nicht reinreden lassen. Zwar sind Ideen immer gut und willkommen, aber wenn es zu weit geht, ist es nicht gut, denn es ist die eigene Geschichte und nicht die von "x" oder "y" oder "z". Logisch würde "x" sie anders schreiben. "y" und "z" dann wieder ganz anders.

10) Nach dem letzten Punkt sich zurück lehnen. Die Geschichte ruhen lassen, und sich dann an die eigentliche Arbeit (=Überarbeitung) und die Geschichte "lesbar" machen

Liebe Grüsse
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon detlevwalther » Mi 10. Mär 2010, 21:51

Also 10 Regeln bringe ich nicht zusammen. Ich habe die Regel 4 von Kaengu noch erweitert - ich mache nicht eine Tasse Tee, sondern trinke eimerweise Tee, auch mitten in der Nacht, auch, wenn ich hinterher nicht schlafen kann. Diese Nacht wird so eine.

Ich habe keine Disziplin. Ich kann mich nicht morgens an den Laptop setzen und 8 Stunden tippen, 5 Tage in der Woche. Manchmal gehe ich 3 Tage spazieren, schreibe nicht ein Wort, überlege, schreibe dann 10 Seiten auf einen Rutsch. Oft funktioniert das, manchmal lösche ich wieder 8 Seiten. Oder der Lektor sagt - das soll ja wohl nicht in das Buch rein, oder?

Wenn ich etwas lese, was mir gefällt, dann überlege ich, warum es mir gefällt. Oder auch das Gegenteil. Z.B. fasziniert mich der lakonische Stenogrammstil von Hemingway oder Remarck, auch die ironisch bis zynische Art von Böll. Le Carré lese ich gerne. Bei ihm ist es dieses britisch gefärbte Understatement. Krimis von Lescroart oder Connelly, oder Dürrenmatt. Natürlich immer in der Hoffnung, dass da etwas abfärben möge!

Und manche hochdekorierte Autoren kann ich nicht lesen, weil mir der Satzaufbau zu kompliziert, Sätze zu lang sind. Was soll ich mit einem Satz, den ich 3 x lesen muss, bis ich ihn kapiert habe. Bei manchen Büchern habe ich den Verdacht, dass der Autor nach Seitenzahl honoriert wird.

Diese eine Regel hier - ein Tisch - ein Stuhl - Tür abschliessen, die ist wichtig. Deshalb sitze ich so oft nachts am Laptop. Allerdings war ich immer eine Nachteule.

Aber – welche ein Glück – das ist alles eine Frage des Geschmacks.

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Zuletzt geändert von detlevwalther am Mi 10. Mär 2010, 22:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon detlevwalther » Mi 10. Mär 2010, 22:13

Nachtrag (oder trage ich damit Eulen nach Athen?)

Ich drucke sehr oft aus, auch wenn's lästig ist und die Tonne überquillt. Auf Papier sehe ich sehr viel mehr, als auf dem Bildschirm und ich kann Notizen machen.

Ich habe vor Jahren den Tipp bekommen, Texte laut zu lesen, auf Band aufzunehmen und sie mir dann anzuhören. Das geht auch einfacher. Vom Computer vorlesen lassen! Ich habe mir eine Software mit Namen Linguatec Voice Reader zugelegt, kostete runde 40 Euro. Damit höre ich Schreibfehler und - ganz wichtig - Störungen im Rhythmus. Diese Version für 40 Euro bietet 2 weibliche Stimmen. Man kann auch MP3 Files erzeugen. Das Programm kennt nicht jedes Wort. Was fehlt, kann man mit dem Editor ergänzen. Das ist eine Art Lautschrift. Es gibt noch eine teure Version für rund 400 Euro mit männlichen Stimmen und Erweiterungen Richtung Tonstudio.Die 40-Euro Version reicht mir völlig.

Man kann das auf deren Webseite ausprobieren. Eigene Texte reinkopieren und anhören!

Ich habe auch mal mit Diktiersoftware experimentiert. Das fand ich aber nicht so gut.

Detlev
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon Isabella » Do 11. Mär 2010, 09:24

Den Text vorlesen lassen ist eine super Idee. Ich hätte aber eigentlich schon gerne eine männliche Stimme... 400 Euro, damit ich einen Mann reden hören? hmm.... ist mir ein wenig zu teuer... :P

Ich drucke auch viel aus. Habe von meiner Firma eine grosse Schachtel altes Briefpapier mitgenommen. Das wird eh nicht mehr benützt und dann reut es mich nicht, es als Arbeitsmittel zu brauchen.
Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Aber anders sind sie auch nicht.
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon detlevwalther » Do 11. Mär 2010, 10:01

Isabella hat geschrieben:Den Text vorlesen lassen ist eine super Idee. Ich hätte aber eigentlich schon gerne eine männliche Stimme... 400 Euro, damit ich einen Mann reden hören? hmm.... ist mir ein wenig zu teuer... :P

Ich drucke auch viel aus. Habe von meiner Firma eine grosse Schachtel altes Briefpapier mitgenommen. Das wird eh nicht mehr benützt und dann reut es mich nicht, es als Arbeitsmittel zu brauchen.


Die Stimme kann in der Tonhöhe variiert werden. Damit kommt es einer männlichen Stimme sehr nahe. Die Version für 40 Euro ist aus meiner Sicht völlig ausreichend. Ich will ja keine Hörbücher produzieren, obwohl das im Prinzip machbar wäre.

PS Ich habe gerade gelesen, dass man für 29 Euro Stimmen nachkaufen kann, auch männliche.
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon Novita » Do 11. Mär 2010, 11:09

Hey, danke für eure Tipps und Regeln :D
finde ich spannend.
Und Männerstimmen scheinen hoch im Kurs zu sein ;) Darf ich meinem Mann nicht erzählen sonst will der noch 400 Euro wenn er das nächste Mal etwas zu mir sagt. ;)
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon Magor » Do 11. Mär 2010, 11:30

Liebe Fatima

danke, das kann ich auch unterschreiben. Zudem möchte ich mal die Regeln der Profis systematisch auswerten und schauen, wie viel strukturell, lebensphilosophisch und auf Textarbeit und Redaktion bezogen ist. Ich finde gerade diesen Mix sehr interessant. Zwischen dem gespitzten Bleistift und gestrichenen Adjektiven liegen ja Welten.

Merke auch, dass ich in den letzten Tage gegen die Frühmorgen-und-jeden-Tag-Regel verstossen habe. Fühle mich auch dementsprechend lausig. Also vielleicht die Zusatzregel: «Wenn es mal nicht klappt, mach dir keine Vorwürfe. Schau nach vorn. Die Absolution liegt im Schreiben. Also los!»

So ein virtueller Beichtstuhl im Forum wäre vielleicht trotzdem ganz praktisch ...

Herzlich, Magor
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon zora » Do 11. Mär 2010, 13:16

@detlev
stimmen nachkaufen? tolle sache.
dann hätt ich gern einmal o.w.fischer, paul hubschmid, theo lingen und heinz erhardt...


gruss, zora
Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.
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Re: 10 Regeln fürs Schreiben

Beitragvon Isabella » Do 11. Mär 2010, 21:32

Novita hat geschrieben:Hey, danke für eure Tipps und Regeln :D
finde ich spannend.
Und Männerstimmen scheinen hoch im Kurs zu sein ;) Darf ich meinem Mann nicht erzählen sonst will der noch 400 Euro wenn er das nächste Mal etwas zu mir sagt. ;)


Kommt doch drauf an, was er sagt!!! :lol:
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