Kurz gesagt: Die Großzahl der Texter und Autoren möchte gerne ihr Ding durchziehen. So auch ich. Aber diese Woche habe ich etwas Interessantes erlebt, als ich mit einem befreundeten Schreiberling am Mac saß. Wirklich, wirklich interessant.
Irgendwie klingt das schmutzig und mein Kopfkino geht gerade los …
Nein, nein! Nein. Total unschmutzig, Internet-Pornographie war nicht involviert. Aber – wir haben einen Text redigiert. Gemeinsam. Gemeinsam! Und ich fragte mich anschließend, ob ich den Einsiedler-im-Wald-Narr-aufm-Hügel-Ansatz verwerfen sollte.
Wir kannten uns zwar schon ein ganzes Weilchen, auch unsere Texte und ästhetischen Präferenzen. Aber keinem von uns wäre die Idee gekommen, jetzt gemeinsam Marketingblubber für ein Handwerksgewerbe zu überarbeiten. Ich fragte an einer besonders kritischen Stelle nach Vorschlägen, dreißig Sekunden später saßen wir am Rechner, tranken Bier und brachten die Texte in Form.
Und es war … spannend. Ich kann nur jedem Textarbeiter empfehlen, es auch einmal mit einem Partner zu versuchen. Es macht Spaß und, na ja, vier Hirnhälften sind besser als zwei. Außer einer der Schreiberlinge hat Syphilis oder gerade einen psychotischen Schub. Dann bleibt es zwar meist lustig, aber der Kunde wird sich wohl fragen, was das Ganze soll. Und die Finanzierung weiterer Bier-Lektorate verweigern. Nicht schön.
Jedenfalls haben wir auch einige Sachen herausgefunden, die es bei der Zusammenarbeit zwischen Schreiberlingen zu beachten gilt. Entsprechend hier fünf Tips:
- Keiner ist der Boß. – Wenn man schon zusammenarbeiten möchte, sollte es auch gleichberechtigt bleiben. Klar, einer wird das Manuskript an den Kunden verschicken und muß gegebenenfalls den Kopf respektive die Telephonleitung hinhalten, aber das gibt ihm oder ihr noch lange nicht das Recht, einen auf König Arschloch zu machen.
- Pingpong zulassen. – Das Schöne an einer kreativen Zusammenarbeit ist das Hin- und Herspielen von Gedanken, Vorschlägen und Ideen. Je absonderlicher desto besser. Wenn die Sache hirnsturmmäßige Ausmaße annimmt, ist man auf dem richtigen Weg. Herumfuchtelnde Hände und erhobene Stimmen sind gute Indizien, daß man vorwärts kommt.
- Spaß muß sein. – Man darf auch gerne mal einen Entwurf mit interessanten Metaphern oder Beleidigungen versehen. Das fördert Punkt 2. Aber Achtung: Unbedingt sicherstellen, daß das korrekte Manuskript an die Auftraggeber geht. Die meisten Kunden finden es nicht sonderlich komisch, daß ihr Unternehmen als „Die Idioten-AG“ bezeichnet wird. Ausnahmen bestätigen die Regel.
- Auf Kollaborations-Werkzeuge verzichten. – Ja, ja, Google und Konsorten indoktrinieren gerade die ganzen Freischaffenden und kleinen Unternehmen, doch gefälligst auf diese komischen Internet-Plattformen zu wechseln. Da können mehrere Leute gleichzeitig an den Dokumenten werkeln! Woohoo! Tut mir ja schrecklich leid, aber so funktioniert eine fruchtbare Zusammenarbeit im kreativen Bereich nicht. Internet schön und gut, aber wenn man dem Mit-Texter nicht zwischendurch einen Wahrig an den Kopf werfen kann, läuft etwas schief.
- Betäubung hilft. – Okay, auch gute Tees, Zigarren und dunkle Schokolade sind nützlich. Aber mit einem Glas Whisky in der Hand kann der egozentrische Texter einfacher aus sich herausgehen und die Nähe einer ähnlich talentierten Person ertragen. Das Verletzungsrisiko für alle Beteiligten sinkt und das Manuskript wird schneller fertig, da man kein Blut aufwischen oder den Bestatter anrufen muß.
Rückblickend kann ich allen meinen Lesern nur raten: Probiert es aus. Vielleicht seid Ihr in Eurer Einsiedlerhütte glücklich und zufrieden, aber hey – auch der ärgste Soziopath hat zwischendurch mal Lust auf zwischenmenschlichen Austausch … ohne gleich in American Psycho oder 9 ½ Wochen abzudriften.
In diesem Sinne: Cheerio, Ms. Sophie!

