gestern war ein seltsamer tag. es war der 18.1. ich erfuhr gestern, dass eine arbeitskollegin und eine unserer betreuten am wochenende verstorben sind. der 17. ist eine spezielle zahl für mich. meine mutter starb an einem 17. mein bruder kam an einem 17. auf die welt. ich habe den ganzen tag normal gearbeitet. abends, nach dem essen, musste ich weinen.
meine ganzen, verarbeitet und aufgeräumt geglaubten, gefühle flossen hervor und durch meine tränen ab. ich hab rotz und wasser geheult. mir war plötzlich wieder präsent, wie unglaublich müde und kaputt ich mich nach mutters tod gefühlt habe. ich war einfach nur müde und wollte schlafen. mir fiel wieder ein, wie enttäuscht ich über ihren tod war. während wochen hatte ich ihre wohnung geräumt, während sie im pflegeheim war, und als ich endlich damit fertig bin (und genügend zeit für gespräche und den abschied gehabt hätte), stirbt sie.
mir fiel ein, wie lange die nacht vor ihrem tod war, wie einsam und mühselig. während ich an ihrem bett gewacht hatte, fühlte ich mich leer, traurig und unglücklich. diese gefühle waren einfach wieder da. ich konnte nichts dagegen tun.
ich frage mich, wozu diese erinnerungen, ruckartig und irgendwie mühsam, gut sind. geniesse ich mein leben zuwenig? ich meine, natürlich sollte ich mich jede freie minute ausruhen. aber das ist grad einfach nicht möglich. ich arbeite sehr viel, da wir krankheitsausfälle haben und ich bearbeite meine diplomarbeit. ich mein': füsse hochlagern wär toll. aber nicht angebracht.
natürlich schreibe ich nach wie vor. ich schreibe beim arbeiten und privat. ich lese viel, wenn ich auch nur berufsliteratur. ich freue mich auf meinen historischen roman, wenn märz rum ist. mir hilft reden, aber immer reden, besonders wenn man einen rauhen hals hat, ist nicht so eine gute idee.
ich sehne mich so sehr nach dem frühling. auch wenn er mich traurig macht, wenn ich daran denke, dass meine (toten) lieben nie mehr das knospen der apfelbäume sehen können. ich freue mich so sehr auf die aufkommende wärme, das flirren in der luft, die vielen vögel und die düfte. auch den sommer kann ich kaum erwarten: grillieren mit den nachbarn oder meinem vater und seiner frau. photosessions mit vaters hühnern und gockeln. stundenlanges herumliegen im gras, den kontakt mit den tieren.
es gibt soviel, wofür es sich zu leben lohnt. jeden morgen könnte man aufstehen und glücklich sein. bin ich normalerweise auch. ich bekomme mit, wie am anderen ende der welt katastrophen passieren, menschen wie tiere verrecken und wir in unseren nachrichten mit dem nacktscanner oder dem neuen leibchen der fussballnati konfrontiert werden.
dann muss ich mich sehr dagegen wehren, dass ich nicht mehr nur alles mit ironie abspeise und über allem stehe.
vielleicht ist in solchen situationen das zurückgespicktwerden in alte gefühle ganz nützlich. ich besinne mich auf meine werte, meine liebe zu den lebewesen in meiner umgebung und meine talente und bin dankbar, dass ich lebe.
