Novita hat geschrieben:Bei mir taucht dann manchmal der Gedanke an ein Haus am Meer auf, morgens trinkt man seinen Cafe und isst ein Croissant in der kleinen Kneippe neben dem Marktplatz, und schaut dem Treiben der Leute zu, der Geschäfftigkeit der Händler und den lachenden Kindern welche herumrennen. Zu Hause schreibt man mit Sicht auf die Weite des Meeres und hört das beruhigende Rauschen der Wellen. Dann der inspirierende Spaziergang am Strand. Ganz angeregt schreibt man weiter, und krault ab und zu die Katze welche immer ausgerechnet auf dem Manuskript liegen will. Am Abend kommen Künstlerfreunde zu Besuch und bringen etwas zum Essen mit, man redet über Gott und die Welt.
Natürlich hat es einen Haushälter

welcher die Wäsche wäscht, putzt und ab und zu kocht. Selbstlos wie Männer so sind macht er die Arbeit fast gratis und will dafür eine Widmung im nächsten Buch.
Also, bei mir sähe das wahrscheinlich so aus:
Das Haus am Meer ist eine langsam zerfallende Hütte mit dem Charme vergangener Zeiten. Die Farbe blättert ab, heizen könnte ich eh nur mit Holz und das ist zu teuer. Also trage ich einen kratzigen Pulli, der mal vom Meer angeschwemmt wurde. Der Kaffee ist wieder mal alle, weil ich nicht einkaufen bin - womit denn auch?!? Anschreiben geht nicht mehr, die wollen wieder mal Kohle sehen. Also wärme ich auf dem spärlichen Feuer des Ofens, der mit Strandgut beheizt wird, etwas Wasser für einen Tee auf. Sparsam, wie ich sein muss, gibt es nur 1 Beutel für die ganze Kanne.
Mir wird langsam zu kalt und ich gehe in's Café im Dorf. Wenn gerade niemand schaut, klaue ich ein Croissant vom Nachbartisch und stecke es in die Tasche. Fällt zu sehr auf, wenn ich es hier essen würde. Da mir die Bedienung nur gegen Vorauskasse einen Kaffee geben will, ziehe ich mürrisch weiter und setze mich im Windschatten der Kirche auf eine Bank. Ideen habe ich manchmal auch. Dafür habe ich einen Stapel Schulhefte im Ausverkauf besorgt. Klar, eine richtige Schriftstellerin hat ein Moleskin. Doch die Dinger sprengen mein Budget bei weitem! Wenn ich denn so eins hätte, wäre es mir viel zu teuer und wertvoll, um auch noch was reinzuschreiben!
Mir wird kalt und das erinnert mich daran, dass ich was Brennbares für den alten Ofen brauche. Also mache ich mich auf einen Spaziergang am Meer entlang auf. Da findet sich immer wieder mal Heizmaterial, das allerdings erst trocknen muss und oft auch grauenvoll stinkt, wenn man es verbrennt.
Mit einem Stück dickem Seil, ein paar Ästen und zersplitterten Holzbrettchen bewaffnet, schlurfe ich nach Hause. Das ewige Gedröhns der Wellen geht mir so was von auf den Keks! Ich möchte einfach mal meine Ruhe habe! Die Blätter an den nicht vorhandenen Bäumen rascheln hören oder einen Vogel zwitschern. Die Singvögel hier werden von den bescheuerten Einheimischen in Netzen gefangen und gegessen. Die hielten mich am Anfang für eine Nutte, weil ich allein in diesem verfallenden Haus lebe. Inzwischen haben sie mich als Spinnerin abgetan und befürchten, ich hätte irgendeine ansteckende Krankheit.
Ich komme nach Hause und diese penetrante Katze, die mich ständig anbettelt, hat einen vergammelten Fisch auf mein Bett geworfen. Igitt, ist das eklig! Und das Vieh will auch noch gelobt werden dafür!
Seufzend denke ich an die Zeiten zurück, als ich noch in einem anständigen Beruf gearbeitet habe, in dem ich wenigstens genug zum Leben verdiente. Damals hatte ich einen Hund, der mich auf allen Unternehmungen und Reisen begleitete. Was diese flohbetupfte Katze von mir will, ist mir eh schleierhaft. Warum biedern sich Katzen immer besonders gern mit Hundeliebhabern an?
Neben dem Bett liegt das Häufchen Wäsche, das ich mein eigen nenne. Müsste mal wieder waschen, doch die alte Waschmaschine hat den Geist aufgegeben. Müsste also alles von Hand waschen. Aber nicht heute...
Aber zurück an den Schreibtisch.... Schliesslich bin ich Schrifstellerin.

Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Aber anders sind sie auch nicht.