alltag

Panta Rhei - alles fliesst, das Schreiben und das Leben

Moderator: zora

Re: alltag

Beitragvon Novita » Do 5. Nov 2009, 11:48

Lieber Sascha was ist schon normal?

Und "normaler" Alltag ist manchmal stinkelangweilig.
In die Tasten hauen können ist das eine, aber so pointiert zu schreiben wie du es kannst das andere.

Ich kann mir fast nur wünschen das du nichts anderes als Schreiben machst und vielen Leuten so den Alltag bereicherst. Wie mir hier im Forum.

Ich wünsche dir das du mit schreiben einmal ganz viel Geld verdienst.
Und ein bisschen Familie sind wir hier als kreativer Haufen ja vielleicht auch manchmal ;)

Liebe Grüsse Novita
"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."
Albert Einstein
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Re: alltag

Beitragvon Isabella » Di 10. Nov 2009, 11:20

Novita hat geschrieben:Bei mir taucht dann manchmal der Gedanke an ein Haus am Meer auf, morgens trinkt man seinen Cafe und isst ein Croissant in der kleinen Kneippe neben dem Marktplatz, und schaut dem Treiben der Leute zu, der Geschäfftigkeit der Händler und den lachenden Kindern welche herumrennen. Zu Hause schreibt man mit Sicht auf die Weite des Meeres und hört das beruhigende Rauschen der Wellen. Dann der inspirierende Spaziergang am Strand. Ganz angeregt schreibt man weiter, und krault ab und zu die Katze welche immer ausgerechnet auf dem Manuskript liegen will. Am Abend kommen Künstlerfreunde zu Besuch und bringen etwas zum Essen mit, man redet über Gott und die Welt.
Natürlich hat es einen Haushälter ;-) welcher die Wäsche wäscht, putzt und ab und zu kocht. Selbstlos wie Männer so sind macht er die Arbeit fast gratis und will dafür eine Widmung im nächsten Buch.


Also, bei mir sähe das wahrscheinlich so aus:
Das Haus am Meer ist eine langsam zerfallende Hütte mit dem Charme vergangener Zeiten. Die Farbe blättert ab, heizen könnte ich eh nur mit Holz und das ist zu teuer. Also trage ich einen kratzigen Pulli, der mal vom Meer angeschwemmt wurde. Der Kaffee ist wieder mal alle, weil ich nicht einkaufen bin - womit denn auch?!? Anschreiben geht nicht mehr, die wollen wieder mal Kohle sehen. Also wärme ich auf dem spärlichen Feuer des Ofens, der mit Strandgut beheizt wird, etwas Wasser für einen Tee auf. Sparsam, wie ich sein muss, gibt es nur 1 Beutel für die ganze Kanne.
Mir wird langsam zu kalt und ich gehe in's Café im Dorf. Wenn gerade niemand schaut, klaue ich ein Croissant vom Nachbartisch und stecke es in die Tasche. Fällt zu sehr auf, wenn ich es hier essen würde. Da mir die Bedienung nur gegen Vorauskasse einen Kaffee geben will, ziehe ich mürrisch weiter und setze mich im Windschatten der Kirche auf eine Bank. Ideen habe ich manchmal auch. Dafür habe ich einen Stapel Schulhefte im Ausverkauf besorgt. Klar, eine richtige Schriftstellerin hat ein Moleskin. Doch die Dinger sprengen mein Budget bei weitem! Wenn ich denn so eins hätte, wäre es mir viel zu teuer und wertvoll, um auch noch was reinzuschreiben!

Mir wird kalt und das erinnert mich daran, dass ich was Brennbares für den alten Ofen brauche. Also mache ich mich auf einen Spaziergang am Meer entlang auf. Da findet sich immer wieder mal Heizmaterial, das allerdings erst trocknen muss und oft auch grauenvoll stinkt, wenn man es verbrennt.

Mit einem Stück dickem Seil, ein paar Ästen und zersplitterten Holzbrettchen bewaffnet, schlurfe ich nach Hause. Das ewige Gedröhns der Wellen geht mir so was von auf den Keks! Ich möchte einfach mal meine Ruhe habe! Die Blätter an den nicht vorhandenen Bäumen rascheln hören oder einen Vogel zwitschern. Die Singvögel hier werden von den bescheuerten Einheimischen in Netzen gefangen und gegessen. Die hielten mich am Anfang für eine Nutte, weil ich allein in diesem verfallenden Haus lebe. Inzwischen haben sie mich als Spinnerin abgetan und befürchten, ich hätte irgendeine ansteckende Krankheit.

Ich komme nach Hause und diese penetrante Katze, die mich ständig anbettelt, hat einen vergammelten Fisch auf mein Bett geworfen. Igitt, ist das eklig! Und das Vieh will auch noch gelobt werden dafür!
Seufzend denke ich an die Zeiten zurück, als ich noch in einem anständigen Beruf gearbeitet habe, in dem ich wenigstens genug zum Leben verdiente. Damals hatte ich einen Hund, der mich auf allen Unternehmungen und Reisen begleitete. Was diese flohbetupfte Katze von mir will, ist mir eh schleierhaft. Warum biedern sich Katzen immer besonders gern mit Hundeliebhabern an?

Neben dem Bett liegt das Häufchen Wäsche, das ich mein eigen nenne. Müsste mal wieder waschen, doch die alte Waschmaschine hat den Geist aufgegeben. Müsste also alles von Hand waschen. Aber nicht heute...

Aber zurück an den Schreibtisch.... Schliesslich bin ich Schrifstellerin.

:lol:
Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Aber anders sind sie auch nicht.
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Re: alltag

Beitragvon paperbackwriter » Di 10. Nov 2009, 12:47

....wie man beeindruckt feststellen kann. Doch den Strom haben sie dir inzwischen auch abgestellt. Wozu noch eine Waschmaschine? Wie schön doch solche Freiheit sein muss.....

Bild

pbw
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Re: alltag

Beitragvon Delia » Di 10. Nov 2009, 16:57

Bravo Isabella! (Wo ist denn nur das lustig in die Hände klatschende Smilie geblieben??? :cry: )
Auch wenn ich mich ehrlicherweise eher für Novitas Variante begeistern kann.

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Re: alltag

Beitragvon zora » Fr 5. Feb 2010, 09:12

nächste woche hat mich der alltag definitiv wieder. ferien vorbei. aus. fertig! dann heisst es wieder: ab in den bau. arbeiten. hopphopp!
dabei konnte ich mich diese woche so gut erholen und ich hatte es so nötig. klar, ich habe viel geschlafen, mal wieder anständig gekocht und habe was für mein kulturelles gewissen gemacht. ich war in meiner lieblingspapeterie, meiner lieblingsparfumerie, habe meine zwei lieblingsmuseen besucht, meinen lieblingssport getrieben und viel mit meiner lieblingskatze gekuschelt.

überhaupt, meine katze dreht ja sowas von auf, wenn ich daheim bin. sie zeigt sich von ihrer besten seite, lässt mich netterweise morgens ausschlafen und nervt nachts auch gar nicht, wenn ich mal länger wach bin.

ich habe sehr viel geschrieben. ja, ich bin immer noch dran an der arbeit. je länger ich nicht literarisch schreibe, desto süchtiger werde ich danach. ich habe richtiggehend heimweh. ich will endlich wieder belletristik lesen und darüber schimpfen. ich habe sicher in der zwischenzeit zehn bücher gekauft, die auf mich geduldig warten.

des weiteren habe ich meine oma versucht zu inspirieren, dass sie auch schreibt. sie ist mittlerweile 81 und leidet phasenweise an gedächtnisverlust. doch die zeit der 30er und 40er ist ihr präsent. ob ich was dagegen hätte, wenn sie mir ihr leben aufschreibt? nein, oma. gerne. unbedingt.

ich habe für unterwegs mein altes moleskine wieder hervor geholt. darin schreibe ich meine gedankenfetzen bezüglich tvreal. das gefühl war wunderbar...
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Re: alltag

Beitragvon zora » Mi 10. Feb 2010, 08:24

hab ich das schon erwähnt: der alltag hatt mich wieder. jaja. ich wiederhole mich.
eigentlich bin ich eine freundin des alltags. ich mag es, wenn alles seinen gewohnten gang geht. ich mag es, wenn nicht alles chaos ist. aber was tue ich, wenn das chaos plötzlich den alltag beherrscht??

heute morgen lag schnee. ich bin beruhigt, denn ich hatte gestern einen furchtbaren migräneanfall. ich dachte schon, ich hätte soviel stress, dass der sich in kopfweh manifestiert. stattdessen hat mein körper nur auf den scheiss-schnee reagiert.

in einem monat ist mein lehrgang schon fertig. acht monate voller arbeit, mitdenken und inspiration vorbei. den grössten teil meiner studienkollegInnen werd' ich nie mehr sehen, was schade ist, denn ich habe die gesellschaft sehr gemocht.
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Re: alltag

Beitragvon Pegasus » Mi 10. Feb 2010, 21:13

Schnee statt Stress?
Kein Schnee-Stress?
Schnee lässt den Stress schmelzen.
Stress lässt den Stress nicht schmelzen.
Zu dumm.
Wo es doch kein Salz mehr gibt.
Zum Glück.
:twisted:
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Re: alltag

Beitragvon zora » Mo 22. Feb 2010, 07:20

nach monaten des lesens, anstreichens, notierens, surfens gelangte ich in die welt des schreibens. absätze, klammern, punkte nach klammern, punkte vor klammern, seitenzahlen, vergleiche. und jetzt ist das alles fertig.

zwar werde ich noch weiter meine fachbücher lesen, doch bis ich das nächste mal einen solche weiterbildung mache, wird einiges wasser die thur hinabfliessen. ich bin für den moment nicht besonders traurig, denn das lesen habe ich stark vernachlässigt und hole es gerade wieder auf.

doch es ist schon seltsam. da fehlt einem plötzlich etwas, was ins leben geschossen kam und platz einnimmt. das hätte ich nie gedacht. andererseits ist es beruhigend, wenn man plötzlich wieder zeit für so profane dinge wie abstauben oder wäsche zusammenlegen hat.

die arbeit ist seit samstag auf dem postweg durch die schweiz unterwegs. jetzt muss ich nur noch bis ende märz eine präsentation vorbereiten. aber da die nicht bewertet wird, brauch ich mir nicht einen solchen druck zu machen.

ich sollte mich auch bald wieder dem schreiben widmen. eine menge wettbewerbe warten auf mich. ich bin gespannt...

herzlich
zora
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Re: alltag

Beitragvon zora » Do 25. Feb 2010, 17:01

heute zweiter von zwei aneinander gereihten, lange schon nicht mehr erlebten, freien tagen. ich war fleissig. ich las, ich putzte und ich half einen estrich zu räumen.

mein vater und seine frau zügeln nach bald 25 jahren aus dem sogenannten elternhaus, was es aber nie war, zumindest nicht für mich. es ist seine dienstwohnung, die er nun, da rentenalter in greifbarer nähe, verlassen darf. ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich diese wohnung als kind gehasst habe und es auch heute noch tue. zwar hat meine stiefmutter mit sehr viel geschmack gewirkt, doch die mauern dünsten noch immer den mief und die ängste meiner kindheit und jugend aus. zwar hatte ich einen wunderbaren blick auf die säntiswand aus meinem kinderzimmer, doch es war immer alles zu eng. ich hasste mein kinderzimmer, ich hasste den flur und die einbauschränke, die alle so herrlich hell waren. vielleicht wohne ich deshalb in einer verwinkelten altbauwohnung mit dunklen wandschränken. den blick auf den säntis geniesse ich nur noch bei der fahrt zur arbeit und das ist recht so.

ich habe vor einem jahr angefangen, meine kindheit zu sortieren. was nehme ich mit in meinen estrich?
klar, die barbies, die plüschtiere, mein puppenhaus, meine matchboxsammlung und alle meine legos. meine zeichnungen habe ich entsorgt. sie riechen nach einem schulsystem, was beim malen richtig und falsch vorgab.
meine mathebücher nehme ich mit. mathe ist logisch und unverrückbar gewesen, damals. ich nehme meine gesellschaftsspiele und die puzzles mit, die ich zum erstaunen meiner mutter alleine gemacht habe. die 1500er hegen noch immer geschichten und träume.

viel lasse ich nicht da. die kegel, ein spiel, das ich bei einem verhassten lehrer im werken gemacht habe. ab damit in den müll! meine alten bravos brauche ich auch nicht mehr. ich nehme den teppich mit, den mein vater in seinen flitterwochen gemeinsam mit meiner mutter angefangen hat zu knüpfen und nie beendet hat. ich werde ihn fertig machen.

warum ich das schreibe? daheim habe ich meine küche aufgeräumt und sorgsam entrümpelt. schliesslich finden sich aus mittlerweile vier haushalten geschirr bei mir ein... es scheint, als wäre dieses jahr ein richtiges entsorgungsjahr. ich freue mich jedenfalls darauf!

herzlich,
zora
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Re: alltag

Beitragvon fanfan » Do 25. Feb 2010, 20:49

@zora

Das ist so schön geschrieben, wie in einem Flug. Das könnte Anfang eines Romans sein, ehrlich!
Danke!
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